haefner Gerald Häfner

Freie Märkte – freie Menschen??

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und die politischen und ökonomischen Herausforderungen unserer Zeit

 



Öffentlicher Vortrag                             Freitag 05.10.2012     20.00 Uhr


Unsere Welt ist aus den Fugen geraten. Die Arbeitslosigkeit wächst in den meisten europäischen Staaten, die Verschuldung und auch die soziale Spaltung der Gesellschaft. Die "Finanzkrise" fordert ihre Opfer. Banken und Staaten können nur noch mit künstlicher Beatmung ("Finanzspritzen") überleben. Die globalen Finanzmärkte spielen mit höchstem Einsatz. Auf dem Spiel steht, unter anderem, der Zusammenhalt unserer Gesellschaft(en) und die Lebenschancen vieler unschuldiger Menschen. Die dramatischen Folgen falscher ökonomischer und politischer Grundentscheidungen werden deutlicher – und treffen zunächst vor allem Menschen in der Peripherie unserer Reichtumsgesellschaft.

Nie gab es so viel Freiheit wie heute. Aber wir verspielen unsere Freiheit, wirklichkeitsblind und zukunftsvergessen. Systematisch zerstören wir, ohne es zu wollen, was die Grundlagen eines sinnvollen Freiheitsgebrauchs wären.

Wir haben die Freiheit zur reinen Marktfreiheit pervertiert – und die Marktlogik auf immer größere Bereiche unseres Lebens ausgedehnt. Uneingeschränkte Freiheit auf den und für die Märkte, so die Hoffnung, mehrt den Nutzen, den Wohlstand und die Freiheit aller. Doch ist das wirklich so? Freiheit ohne Verantwortung und Mitmenschlichkeit frißt am Ende sich selbst.

Doch: Können wir Freiheit im Einklang mit Gleichheit und Brüderlichkeit (und nicht an ihrer statt) leben? Bilden diese drei Grundforderungen der französischen Revolution und jeder modernen menschlichen Gesellschaft Gegensätze – oder gehören sie zusammen, brauchen und bedingen einander? Wie also ist heute der Zusammenhang von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zu sehen? Und was folgt aus einer solchen Betrachtung für die drängenden wirtschaftlichen und politischen Aufgaben unserer Zeit? Wie können und müssen wir unsere politische und wirtschaftliche Ordnung neu denken und gestalten, um diesem Ziel einer umfassend verstandenen, verantwortlichen Freiheit näher zu kommen?

Diesen und anderen Fragen wird sich der Vortrag zuwenden. Er wird dabei auch konkrete Probleme, Felder, Begriffe und Konzepte der heutigen Politik auf ihre Sinnhaftigkeit und Tauglichkeit abklopfen und Vorschläge zu ihrer Weiterentwicklung machen. Und er versteht sich vor allem als Aufforderung und Einladung zu eigenem Nachdenken, zum Gespräch und zu verantwortlichem Handeln aus Erkenntnis.

Denn die größte Freiheit - und Verantwortung -, über die wir verfügen, ist die, gemeinsam unsere Welt freier, gerechter und menschlicher zu gestalten. Zeigen wir uns ihr gewachsen!


Gerald Häfner

geb. 1956 in München, Publizist, Waldorflehrer, MdEP; Gründer und langjähriger Vorstandssprecher von "Mehr Demokratie e.V", Mitbegründer der Partei DIE GRÜNEN, ehemaliges MdB, Gründer und Präsident von "democracy international", Verfassungssprecher der Grünen im EP.

Studium der Waldorfpädagogik, Sozialwissenschaften und Philosophie in München, Bochum und Witten. Initiator und Mitbegründer zahlreicher Initiativen im Bereich von Demokratie, Bürgerrechten und Verfassung.

Seit Juni 2009 Europaabgeordneter.

Seit vielen Jahren selbständige publizistische, Vortrags- und Lehrtätigkeit im In- und Ausland u.a. zu politischen, rechtlichen und zeitgeschichtlichen Fragen, insbesondere zu Fragen des Rechts, der Demokratie, der Verfassung, der Zukunft der Arbeit, des Einkommens und der Sozialsysteme, der Globalisierung und der kulturellen, sozialen und politischen Zukunft Europas. Berater von Parlamenten im In- und Ausland.

G. Häfner wurde u.a. 2005 mit dem National Leadership Award für Politische Innovation („Verbesserung des politischen Systems“) des Economic Forum Deutschland ausgezeichnet.